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Politische Theologie

 
       
  Politische Theologie setzt die Vorstellung voraus, dass es eine enge Verbindung zwischen Religion und Politik gebe und dass Religion selbst durchaus politisch sei. Die Diskussion über die Politische Theologie nahm in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Anfang. In der Zeit ihres Aufschwungs gab es zahlreiche neue theologische Programme, die sich mit der aktuellen geistigen und gesellschaftlichen Situation auseinander setzten: die « Gott-ist-tot-Theologie » und die «Theologie der Hoffnung », die «Theologie der Revolution » und die «Theologie der Befreiung », die « kritische Theologie» und die «Theologie der Natur ». Damals kam es in den westlichen Industrienationen zu bedeutsamen Veränderungen des allgemeinen Zeitbewusstseins. Neue Probleme traten in den Blick: die « Herausforderung durch die Dritte Welt» und die Überlagerung des Ost-West-Konflikts durch den Nord-Süd-Konflikt, Bevölkerungswachstum und verheerende ökologische Folgen des technischen Zivilisationsprozesses. Weltweite politische und soziale Spannungen ließen die Gegenwart als Krisenzeit erscheinen. Bedeutung und Sinn der überkommenen Normen und Werte für die moderne Gesellschaft wurden dabei immer fragwürdiger. Es kam zu einem internationalen Protest der Studenten und zur Stärkung kommunistischer, sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien in verschiedenen europäischen Staaten. Die gesellschaftlichen Veränderungen führten auch zu einer Wende im kirchlichen und theologischen Bewusstsein. Die katholische Kirche versuchte nach dem 2. Vatikanischen Konzil (Vatikanum I und II), sich mit dem Geist der Neuzeit zu versöhnen. Die Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft thematisierte 1966 in Genf das grundsätzliche Problem der Revolution für das Leben der Christen und für den christlichen Glauben. In zahlreichen kirchlichen Gruppen wurde eine deutliche Linksbewegung spürbar. Politische Theologie als bewusst neuzeitliche Gestalt von Theologie bezieht sich auf ein Grundproblem: Die Frage des Theorie-Praxis-Verhältnisses, eine Fragestellung, die die gesamte Philosophiegeschichte des Abendlandes durchzieht. Karl Marx (1818 - 1883) hatte die Einheit von Theorie und Praxis neu formuliert, die Praxis erklärte er zum umgreifenden Moment: Darin können Philosophie und Politik zusammenfallen. Was Wahrheit ist, muss sich praktisch erweisen. Der Sinn der Geschichte lässt sich somit nicht mehr aus einer Idee ableiten, sondern gründet in gesellschaftlicher Praxis. Philosophie zielt also über sich selbst hinaus auf Praxis, auf Revolution. Politische Theologie hat sich an diesen philosophischen Vorgaben orientiert. Deshalb versteht sie sich als Geschichtstheologie in kritischer und praktischer Absicht. Ihr Wahrheitsbegriff ist geschichtlich und praktisch. Praxis wird zum Kriterium der Wahrheit, und die Wahrheit liegt in der Einheit von Theorie und Praxis. Dabei lautet die Grundfrage der Politischen Theologie: Wie verhält sich die gesellschaftliche Situation zur Zukunftsverheißung Gottes (Johann Baptist Metz)? « Praxis » wird in eins gesetzt mit der Leidensgeschichte der Menschen. Menschliches Leiden schließt Unterdrückung und politische Gewalt, Schuld, Endlichkeit und Tod ein. Dabei tritt der Erfahrung des Leidens die Verheißung christlicher Erlösung als Befreiung entgegen.  
 

 

 

 
 
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